Stibnit (Antimonit)

 Stibnit (Antimonit); Stadtschlaining, Burgenland (A); Sammlung Naturhistorisches Museum Wien (A)

Stibnit (Antimonit); Stadtschlaining, Burgenland (A); Sammlung Naturhistorisches Museum Wien (A)

Ophrys holoserica (Hummelragwurz); Langegg, Steiermark (A); Blühdatum 15. 6. 2013

Ophrys holoserica (Hummelragwurz); Langegg, Steiermark (A); Blühdatum 15. 6. 2013

Zitat

„Wenn Hildegard Könighofer selbst ihre Arbeit als Handwerk,
in Unterscheidung zum Kunstwerk, verstanden wissen will,
soll dieser Haltung hier nicht strikt opponiert werden.
Bedenkt man immerhin, dass, einhergehend mit der Erweiterung
des Kunstbegriffes, allenfalls Analogien auch zu naturwissenschaftlichen
Disziplinen bestehen, so ist eine Ansicht als Kunstwerk
wohl nicht von der Hand zu weisen.“
(Wenzel Mraček, 2009)

Naturstudien von Hildegard Könighofer 16.1.2015

Hildegard Könighofer bei vorbereitenden Arbeiten im Felde. Foto: D. Jakely, Graz

Hildegard Könighofer bei vorbereitenden Arbeiten im Felde. Foto: D. Jakely, Graz

Mineralien und wildwachsende Orchideen

Zur Ausstellung:
Hildegard Könighofer zeigt eine repräsentative Zusammenstellung ihrer realistischen Mineralien- und Pflanzendarstellungen.

Die portraitierten Mineralien stammen aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Könighofers subjektive Auswahl reichte von heimischen "Klassikern" und historischen Stücken bis zu aktuellen Neufunden. Zahlreiche Arbeiten zeigen mineralogische Spitzenstücke. Die Originale wurden jeweils in natürlicher Größe und in natürlichem Licht wiedergegeben, ein Faktum, das nicht immer einfach zu bewältigen war. Besonders alte oder wertvolle Objekte mussten im Museum gezeichnet und gemalt werden, so entstand z.B. eine historische Silberstufe aus Freiberg in Sachsen aus der ehemaligen DDR, unter den Augen von ständig anwesendem Wachpersonal. So manche internationale Rarität wurde über Kontinente hinweg nach Wien transportiert, um nach meist zweimonatigem Aufenthalt bei der Künstlerin wieder den Rückflug anzutreten. Die mineralogischen Arbeiten entstanden in einem Zeitraum von über 25 Jahren.

Die porträtierten Pflanzen, meist wildwachsende Orchideen, stammen aus zentral- und südeuropäischen Regionen: Burgenland, Steiermark, Rheinland, Korsika, Sardinien, Sizilien, Apulien, Friaul-Julisch Venetien, Istrien, Kvarner Bucht, Dalmatien und Kreta. Hildegard Könighofers Interesse gilt der Orchideengattung Ophrys (Ragwurz) mit ihren schwer bestimmbaren Arten und variantenreichen Zwischenformen. Sie stellt einzelne Blüten frei und achtet besonders auf die Größenverhältnisse. Grundlage dafür sind eigens angefertigte fotografische Unterlagen. Die Arbeiten werden mit Bleistift, Tusche, Aquarellfarbe und Farbstift ausgeführt. In den Jahren 2006 bis 2014 entstanden über 130 Ophrys-Portraits.

Ragwurz-Arten (Ophrys) sind Sexualtäuschpflanzen, das heißt, ihre Blüten ahmen in Form, Farbe und Behaarung die Gestalt von weiblichen Bienen, Hummeln, Wespen oder Fliegen nach. Die Pflanzen blühen zur selben Zeit auf, zu der die Insekten-Männchen schlüpfen, die Weibchen hingegen erscheinen etwas später. Dabei versenden die Blüten sogar die gleichen Duftstoffe, mit denen die Weibchen ihre Männchen anlocken! Solcherart stimuliert, versuchen die Männchen mit der Orchideenblüte zu kopulieren. Dabei wird ein Pollenpaket am Insektenkörper befestigt, das beim Besuch einer anderen Blüte an deren Narbe gelangt. Nach erfolgter Bestäubung verändert sich der Blütenduft, um ein mehrmaliges Bestäuben von bereits besuchten Blüten zu verhindern.

Bildergalerie zur Vernissage

Einladung zur Vernissage

Zur Person

Hildegard Könighofer, geboren 1954 in Rettenegg, Steiermark (A)
Ausbildung an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt Wien
Seit 1980 freiberuflich tätig, lebt und arbeitet in Graz

Seit den frühen 1980er-Jahren malt die passionierte Naturliebhaberin und ausgebildete Grafikerin Pflanzen, Insekten und Mineralien. Die realistische Darstellung der Objekte mit akribisch ausgeführten
Details erstaunt Spezialist*innen und Laien gleichermaßen.

In den 1990er-Jahren malte und zeichnete Hildegard Könighofer ihre im Blumenhandel gekauften Orchideen und vermerkte auf den Illustrationen über die Jahre hinweg Blühdaten, Pflegemaßnahmen und manchmal auch den Grund des Absterbens der Pflanzen – auf diese Weise entstand eine Art Tagebuch, eine Mappe mit 90 Blättern.

Ab 2005 fertigte sie Strichzeichnungen für die „Flora von Istrien“ an und zeichnete die dort vorkommenden Arten der Gattungen Schafgarbe (Achillea), Osterluzei (Aristolochia), Haselwurz (Asarum), Tausendguldenkraut (Centaurium) und Wiesenraute (Thalictrum). Damals begann sie auch die Serie mit Blütenporträts von Ragwurz-Arten (Ophrys) aus zentral- und südeuropäischen Regionen.

2010 erschien ein Buch mit rund 170 ihrer mineralogischen Arbeiten und mit zweisprachigen Beiträgen (D und E) international renommierter Sammler*innen und Kustoden: „Mineralienbilder von / The Mineral Art of / Hildegard Könighofer“. Im Herbst 2010 nahm sie an der „13th International Exhibition of Botanical Art and Illustration“ am Hunt Institute in Pittsburgh teil.