Friedrich Gauermann

Friedrich Gauermann wurde am 20. September 1807 als dritter Sohn von Jakob und Rosina Gauermann in Scheuchenstein am Gutshof Pichl geboren. Der Vater Jakob, der aus einer Tischlerfamilie im schwäbischen Öffingen stammte, arbeitete sich aus eigener Kraft zum Kammermaler Erzherzog Johanns empor. Die Mutter Rosina, wurde als Stieftochter von Anton Walter, dem Orgel- und Klavierbauer von Mozart, Haydn und Beethoven, hier in Miesenbach am Pichlhof aufgezogen.

Jakob, ein ausgezeichneter Pädagoge, führte seine Söhne in die Kunst ein. Akademische Kompositionsprinzipien, das Studium der Niederländer und die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Alpennatur führten Friedrich sehr bald zu künstlerischer Eigenständigkeit. So kam es auch, dass er bereits 1824, also mit 17 Jahren, seine Werke an der Akademieausstellung in Wien zeigen durfte, obgleich er dort noch keinen Malkurs besucht hatte.

Das Landleben im Sommer, Ausstellungen und Akademiekurse im Winter, prägten sein Leben; vor allem aber die ausgedehnten Studienreisen in die österreichisch-bayrischen Alpen, die er ab 1825 fast Jahr für Jahr unternahm.

Waren bisher das Tierstück, die reine Landschaft und Szenen aus dem Volksleben im Mittelpunkt von Gauermanns Schaffen, so findet nach 1830 mit bäuerlichen Themen, Almszenen des Hochgebirges, der Darstellung von Jagden und Tierkämpfen sowie Stallinterieurbilder, eine thematische Wende statt, die dem Geschmack der damaligen Zeit Rechnung trug.

1836 wurde er Mitglied der Wiener Akademie, 1848 Ehrenbürger der Stadt Wien und 1855 in Paris mit einem Preis geehrt. Sein Ruf als Tiermaler hatte vor allem in England höchste Anerkennung gefunden; das Kaiserhaus, der Hochadel und das vermögende Bürgertum zählten zu den Käufern seiner Bilder, seine Gemälde gingen nach Deutschland, Frankreich, England, Russland, Polen, Böhmen, Ungarn und Italien.

Trotz seines Erfolges blieb Gauermann immer der, der er von Anfang an war. Und wenn er auch die Großstadt, Galerien und den Kontakt mit Künstlern brauchte, seine Liebe gehörte der Gebirgswelt. Seine Künstlerkollegen, unter anderen Ferdinand Georg Waldmüller, wanderten nicht nur zu den selben Alpenmotiven, sie malten oft auch gemeinsam vor seinen Szenerien, was einen Vergleich ihrer Werke interessant macht. Gauermann war wohl der phantasievollste und effektvollste unter ihnen, der sich mit der lebendigen urtümlichen Natur zu identifizieren wusste. Er begnügte sich nicht mit den üblichen Ansichten, wie sie sich etwa von den berühmten Malerwinkeln aus boten. Für ihn war die Natur stets mit einem lebendigen Ereignis verbunden. Ein Ausspruch eines seiner malenden Kollegen charakterisiert ihn vortrefflich: „Es kommt vielleicht vor, dass einer von uns eine Landschaft und ein anderer ein paar Tiere recht tüchtig, ja meisterhaft malt, aber wenn sich das ganze so recht zusammenleben soll, trifft´s doch keiner als unser Gauermann.“

Kränklich und nach dem Tod seiner Tochter Rosina seiner heiteren Laune beraubt, starb der Künstler mit 55 Jahren am 7. Juli 1862 in seinem Atelier auf der Laimgrube. Die letzte Ruhestätte fand der Künstler am Friedhof zu Scheuchenstein.

Charakteristik

Seine Themen sind die Miesenbacher Almlandschaften. Die einzelnen Details, die Figuren, Tiere, Bäume, die Bachlandschaft oder die Berge wurden nach der Natur studiert, nur in der kompositorischen Anordnung und in dem genremäßigen Inhalt erkennt man die künstlerische, von der Natur abstrahierte Bildidee. Gauermann geht es nicht nur um einen lebensnahen Bildausschnitt, der jedes Detail mit gleicher Genauigkeit erfasst und es dem strahlenden Licht unterordnet; er bezieht Stellung und hebt die interessebetonten Elemente in einer dramatischen Weise hervor. Er übersetzte die persönlichen Eindrücke und Erlebnisse nicht in eine ideale, ferne Bildidee, sondern bezog sich auf ihre Wirkung, was vor allem in der sicheren zeichnerischen Handschrift und in dem flotten Farbauftrag zum Ausdruck kommt. Aufgesetzte Lichter heben die wichtigen Akzente hervor, Linien und Schatten vermitteln das romantische oft gefühlsmäßig übersteigerte Landschaftserlebnis. Die atmosphärische Stimmung, der blaue Dunst der Ferne oder der einfallende Nebel, nehmen den Motiven die graphische Härte und zeigen, dass allein die Natur, nicht die Akademie oder die holländischen Maler des 17. Jahrhunderts diesen Leistungen Pate standen.